FireStats wurde nicht in die Datenbank installiert

Uri Geller und die Tricks seiner “Nachfolger”

geschrieben am 09.01.2008 um 12:45 - RSS 2.0 - Tags: , , , , ,

Hier gehts zur Kritik der Sendung vom 15. Januar
Und hier einige Anmerkungen zur Sendung vom 29. Januar

So, nach langer Zeit hier noch mal ein Eintrag… inspiriert hat mich dazu die gestrige Fernsehshow “The next Uri Geller”, die um 20:15 Uhr auf Pro7 ausgestrahlt wurde. Zunächst ein kleiner “Disclaimer”… ich habe mir die Show keineswegs angeschaut, weil ich solche Art von “Mystik” liebe oder gar an sie glaube, sondern eher als (Bühnen-)Magie-Interessierter, der sich die dargebotenen Tricks anschauen wollte. Und kurz zusammengefaßt: Es war sehr enttäuschend, die als “spezielle Fähigkeiten” angepriesenen Bühnentricks waren allesamt ziemlich simpel zu durchschauen und können teilweise sogar im Fachhandel für wenige Euro käuflich erworben werden. Wer ein paar (spekulative) Erklärungen erfahren möchte, sollte hier

Zunächst noch ein weiterer Disclaimer: Es ist in Magierkreisen äußerst verpönt, Trickgeheimnisse zu offenbaren. Da ich hier aber keinerlei konkrete Trickanweisungen gebe (die ich im Übrigen auch nicht kenne) und darüberhinaus helfe, die (ebenfalls verpönte) Darstellung der Zauberkunst als “Übersinnlich” zu entlarve, denke ich, daß der Zweck in diesem Fall die Mittel heiligt.

Nachtrag: Ich gehe hier, anders als einige Kommentarschreiber bei unten aufgeführtem Artikel, davon aus, daß keine der Hilfspersonen aus dem Publikum eingeweiht war. Sämtliche hier beschriebene Tricks lassen sich nämlich auch ohne weiteres ohne eingeweihte Helfer durchführen. Man sollte allerdings dennoch skeptisch sein, was z.B. die Anrufe zu Uri Gellers Erfolgsgeschichten angeht. Niemand (außer den Produzenten) kann hier mit Sicherheit sagen, daß diese nicht gefälscht sind.

Die (partiellen) Erklärungen für die Tricks gebe ich hier in Anlehnung an den Artikel http://www.stefan-niggemeier.de/blog/uri-geller/ und werde zunächst mit einem Link auf eine Erklärung der Methoden zum Löffelverbiegen und Uhren-wieder-gängig-machen beginnen, auch wenn das bereits ein alter Hut ist: http://www.gwup.org/aktuell/news.php?aktion=detail&id=177.

Und nun zum Ablauf der Show: Der erste Trick befaßte sich mit der telepatischen Übertragung von Berühungsempfindungen zwischen zwei (uneingeweihten) Personen. Hierbei berührte der Künstler den Arm der ersten Versuchsperson, woraufhin die zweite Versuchsperson (die Augen während der gesamten Darbietung geschlossen) diese Berührungen angeblich wahrnahm. Was die meisten Zuschauer hierbei wohl übersehen haben war die Tatsache, daß der Darbieter bei den beiden im Stehen vorgeführten Tricks ein- (Gesichtsberührung) bzw. zweimal (Armberührung) ziemlich unmotiviert im Bereich der späteren Berührung bei der Person mit verbundenen Augen herumwedelte. Besonders deutlich wurde dies bei der Armberührung, wo er zwei mal “von hier nach hier” sagte und dabei mit seiner Hand jeweils vor dem Unterarm bzw. der Handfläche der Versuchsperson wedelte. Höchstwahrscheinlich berührte er hierbei die Versuchsperson mit einem in der Handfläche verborgenen Gegenstand. Für die Berührung am Rücken habe ich keine ad-hoc-Erklärung, jedoch ist hierbei eine im Stuhl verborgene Vorrichtung denkbar.

Nachtrag: Ich hatte die Geschichte mit den Symbolkarten völlig vergessen. Sonya Kraus gab an, daß sie eine “Stimme gehört” hätte, ihrem Gesichtsausdruck zufolge aber erst, als man sie am Kopf berührte. Ich gehen davon aus, daß der Vorführende bei der Berührung am Hinterkopf dort einen Sender platzierte, der Ton über den Schädelknochen übertrug (ein auf diese Weise übertragener Ton, kennt man von Hörtests beim Ohrenarzt, scheint direkt aus dem Inneren des eigenen Kopfes zu kommen). Die ausgewählte Karte mit der Sonne war höchstwahrscheinlich forciert (d.h. der Vorführende wußte vorher, daß der Helfer sich für die Sonne entscheiden würde), auch hierfür gibt es im Fachhandel umfangreiche Anleitungsbücher zu erwerben.

Nachtrag: Offenbar lag ich mit meinen Spekulationen richtig, wie dieses Video zeigt: http://youtube.com/watch?v=msmSSXf0ZcI

Kommen wir nun zum zweiten Trick: Dem “Auffinden” eines unter Papphülsen befindlichen Messers. Dieser Trick ist bereits seit Jahren im Fachhandel käuflich zu erwerben (z.B. unter http://www.stolina.de/cgi-bin/shop.pl?f=NR&c=1989&t=item_2002 ). Für die Durchführung mit verbunden Augen wäre z.B. ein in der Hand verborgenes, magnetisches Gadget denkbar, das beim Führen der Hand über das verborgene Messer einen Vibrationsalarm absetzt.

Der dritte Trick befaßte sich erneut mit Telepathie. Eine angeblich hellseherisch begabte Person konnte die von einem (eingeweihten) Partner ausgewählten Gegenstände aus dem Besitz des Publikums erraten. Dieser Trick beruhte mit höchster Sicherheit auf vorheriger Absprache zwischen den beiden Vorführenden, da es bei der Anzahl der Zuschauer im Saal aufgrund statistischer Überlegungen einfach war, passende Gegenstände auszusuchen; zum Beispiel der Bankkarte: “Als zweiten Gegenstand werde ich eine Bankkarte aussuchen. Wenn ich hinterher frage “Welches Institut?”, dann gehört sie zur Sparkasse, wenn ich frage “Welche Bank?”, dann ist es die Commerzbank usw usf.)”. Auch die Beschreibung der aus dem Publikum “zufällig” ausgewählten Person ist recht simpel - vor dem Auftritt hatten die beiden sicherlich genügend Zeit, um aus in den Garderoben aufgestellten Fernsehern eine Person vorab auszuwählen. Und selbst für die Erkennung der Seriennummer des Geldscheins gibt es eine simple Methode: Der Geldschein wurde ganz einfach unauffällig bei der Übergabe vom Zuschauer zum Vorführenden ausgetauscht.

Die vierte Aufführung: Hier kann ich nur spekulieren. Ein Darbieter wollte sein Herz zum Stillstehen bringen. Angeschlossen an ein (laut piepsendes) EKG und überwacht von einer Krankenschwester sowie einem Zuschauer trat dieser Effekt tatsächlich ein. Mögliche Erklärungen wären (unter Annahme eines manipulierten EKGs) daß das laute Piepsen des Geräts es äußerst schwierig macht, sich auf den tatsächlich vorhandenen Puls zu konzentrieren. Wenn das Gerät also langsamer piepst, nimmt man auch den tatsächlichen Puls verzögert wahr (ein simpler psychologischer Trick). Außerdem könnte der Vorführende seine Arme leicht gedreht haben, so daß der Puls nicht mehr tastbar war. Für diese Theorie spricht zum einen, daß die Zuschauerin den Puls als “plötzlich weg” beschrieb, obwohl das Gerät offenbar ein langsames Zurückgehen des Pulses anzeigte, zum anderen halte ich es für unwahrscheinlich, daß der Vorführende unmittelbar nach dem Stillstand des Herzens das Bewußtsein verlor, obwohl dies laut Quelle erst nach ca. 30 bis 60 Sekunden auftreten dürfte.

Und nun noch zum letzten Trick, der Vorhersage einer geschriebenen Notiz. Auch dieser Trick ist im Fachhandel erhältlich, bei Stolina gibt es sogar ein Buch mit einer Anzahl von Methoden, diesen Trick durchzuführen (http://www.stolina.de/cgi-bin/shop.pl?f=NR&c=2767&t=item_2002 ). Dieser Trick ist im Übrigen schief gegangen, da auf die aufgeschriebenen Fragen auch eine Antwort gegeben werden sollte. Diese Antworten waren erwartungsgemäß sehr unpräzise (siehe Cold Reading) und in einem Fall (Frage nach dem Namen eines Familienangehörigen) wurde die Antwort mit einer ziemlich offensichtlichen Ausrede übergangen.


0 Bewertungen - Jetzt bewerten!!